Meinung

Meinung & Kolumnen – Jean-Martin Büttner über Gesellschaft & Kultur

Eine Überlebende, vom Tod begleitet

Sie machte mit ihrem brillanten Debütalbum den Punk zur Frauensache und gibt auch im Alter grossartige Konzerte. Gerade hat Patti Smith auch ihre Biographie weitergeschrieben.

Niemand hat seine Karriere aufregender lanciert als Patti Smith. Es passiert Mitte der Siebzigerjahre. Auf dem ersten Stück der ersten Seite ihrer ersten Platte intoniert die streng religiös erzogene Tochter aus einer Vorstadt von Philadelphia diesen Satz: «Jesus died for somebody’s sins but not mine» – Jesus starb für jemandes Sünden, aber nicht für meine. Zwei Zeilen später besteht sie mit ihrer leicht näselnden, vor Ungeduld vibrierender Stimme darauf: «My sins are my own, they belong to me.»

Als dann der Rhythmus der Begleitmusiker die Sängerin ergreift, lodert ihre Stimme auf, die Worte stieben von ihr weg, ihre Sprache geht in Schreie über, die Zeilen laufen aus in ihrem heiseren, leicht gepressten Vibrato. So gleitet sie singend über den Rand der Wörter hinaus, über die sie singt: «Words are just rules and regulations to me.» Ach diese Worte – bloss Regeln und Vorschriften. Der Rock‘n‘Roll aber bewährt sich als Befreiung und Metakommunikation zugleich im ersten Song von Patti Smith. Was für ein Debut. (BITTE KEINE AUSRUFEZEICHEN, KANN DIE NICHT AUSSTEHEN)

Das Stück «Gloria» beginnt so als Gedicht und endet als ekstatische Hymne auf den irischen Sänger Van Morrison. Der Song hat ihr erstes Album, «Horses» (1975), unter Strom gesetzt – und auch alle, die es hören. John Cale von den Velvet Underground hat es produziert. Bis heute wird es als entscheidender musikalischer Beitrag gefeiert: eine Überführung von Lyrik in den Punk und ein Ausdruck von beidem.

Ein dauernd krankes Kind

Dass die Sängerin damit weltberühmt wird, ist in Patti Smiths Leben nicht vorgesehen. Schon dass sie ihre Kindheit überlebt, ist eine Überraschung. Denn schon in jungen Jahren macht sie ein halbes Dutzend Krankheiten durch. «Ich hatte alles», sagt sie im Gespräch mit dem «Spiegel»: Tuberkulose, Masern, Mumps, Scharlach, Bronchitis, Windpocken, schwere Attacken von Migräne. Monatelang sitzt sie alleine zu Hause in einem Zimmer unter Quarantäne. «Mein Fieber war oft so hoch», erinnert sie sich, «dass man dachte, ich würde sterben.»

Patti Smith aber, das Kind eines Fabrikarbeiters und einer Kellnerin, in grosser Armut aufgewachsen in einer von Ratten verseuchten Wohnung, wird immer wieder gesund. Dafür sterben ihre Freunde, worüber sie nun in ihren Memoiren „Bread of Angels“ schreibt. Ihr Jugendfreund, der Fotograf Robert Mapplethorpe, erkrankt früh und tödlich an Aids. Einer ihrer Brüder sowie ihr Mann, der Musiker Fred «Sonic» Smith, erleiden einen tödlichen Herzinfarkt. Später verliert sie Freunde wie Lou Reed, William Burroughs, Tom Verlaine, Susann Sontag oder Sam Shepard.

Lesen als Rettung

Nachvollziehbar, dass die Musikerin ihrem bereits sechsten biographisch gehaltenen Buch ein Zitat des ukrainischen Schriftstellers Nikolaj Gogol voranstellt: «Hindernisse sind unsere Flügel.» Ihre Fantasie und ihre Liebe zu Literatur helfen ihr, Krankheiten und Quarantänen zu überstehen. Sich selber beschreibt die Künstlerin als gegensätzliche Person. Einerseits als eine Art Gang-Leaderin, die von früh auf die Kinder der Nachbarschaft in New Jersey und später ihre Band anführt – andrerseits als eher schüchterne, zum Alleinsein neigende Frau. Obwohl sie vieles durchmacht, ihre Krankheiten und den Tod geliebter Männer, klagt sie in ihren Büchern nie darüber, sondern, lebt, hofft, singt und schreibt weiter.

Schon 2010 hat Patti Smith im Buch «Just Kids» einen Teil ihres Lebens erzählt, ihre Freundschaft mit Robert Mapplethorpe, ihre wilden Jahre im Chelsea Hotel in Manhattan. «Bread Of Angels» lässt sich sowohl als Vorgängerbuch von «Just Kids» begreifen wie auch als Nachfolge. Es funktioniert eher als die Vorgänger als konventionelle Biographie, die von der Kindheit handelt, von ihrer Ehe mit ihrem schon mit 46 Jahren verstorbenen Mann Fred, von ihrer Karriere und ihrer Entwicklung von der Poetin und Songwriterin zur Literatin, als die sie sich heute versteht.

Als Sängerin verunsichert

Zu lesen ist in «Bread Of Angels» auch, wie geschockt sie war, als sie erfuhr, dass es sich beim Vater nicht um ihren biologischen Erzeuger handelte – gezeugt worden war sie vielmehr von einem jüdischen Kampfpiloten, mit dem ihre Mutter eine Liebesnacht verbracht hatte. Patti Smith erzählt auch, wie sie mit zwanzig Jahren zum ersten Mal Mutter wurde und das Kind zur Adoption freigab, um es erst fast zwanzig Jahre später als Tochter in ihrer Familie aufzunehmen.

Besonders intensiv schildert Patti Smith, wie sie im «Electric Ladyland», dem Aufnahmestudio von Jimi Hendrix in Manhattan, ihr erstes Album einspielte. Sie litt unter Selbstzweifeln und hielt ihr gesangliches Talent für ungenügend, wurde aber von zwei Männern unterstützt: John Cale und Lenny Kaye, dem Produzenten und ihrem Gitarristen.

Ihre erste Platte hat sie nur deshalb aufgenommen, weil ihr als junger Dichterin in den lärmigen Klubs zu wenig Leute zuhörten. Aber die überwältigende Reaktion von Presse und Publikum ermutigten sie, als Sängerin mit ihrem Begleitquartett weiterzumachen. «Three chords merged with the power of the word», so formuliert sie einen Werbeslogan für ihr erstes Album – drei Akkorde, vereint mit der Macht des Wortes. Keine schlechte Beschreibung für eine Platte, die zu den besten des Punk gehört und bis heute tönt, als wäre sie eben erst aufgenommen worden.

Ihr unaufgeregter Stil

Obwohl die Reaktionen auf ihr zweites Album «Radio Ethiopia» (1976) kühl bleiben, lässt sich Patti Smith nicht beirren. Mit «Gone Again», einer bewegenden Platte über die vielen Toten in ihrem Leben, gelingt ihr 1996 ein Comeback nach langen Jahren mit Familie und ohne Musik. Ausserdem erweist sie sich, wie jeder ihrer Konzertbesucher weiss, als mitreissende Performerin. Beschwörend, charismatisch und ekstatisch als Sängerin, geistreich und humorvoll in ihren Ansagen und Kommentaren. Und hochbegabt als Lyrikerin, wovon nicht nur ihre Songtexte profitieren, sondern auch ihre Biografien.

Singer/Songwriter sind nicht automatisch auch gute Autoren. Patti Smith aber profiliert sich als eine grossartige Erzählerin. Ihr unaufgeregter, federnder Stil macht ihr Buch zu einer Entdeckung – zumal sie ein Leben geführt hat wie einen Actionfilm, den sie in ihrer klaren, schönen Prosa nacherzählt. «The Patti Smith we know gave birth to herself», bilanziert der «Guardian»: Patti Smith hat sich selbst geboren.

Weltwoche / 23.11.2025

Autorität als Rebellion

Nach dem Mauerfall 1989 dominierte die Hoffnung, die Demokratie habe sich endgültig durchgesetzt. Heute ist Ernüchterung eingekehrt. Autokratische Tendenzen nehmen zu. Aber warum?

Die Diagnosen der heutigen Gesellschaft klingen düster. So jedenfalls formulieren sie Fachleute, die sich vergangene Woche im Volkshaus Zürich unter dem Titel «Zur Macht des Unbewussten in Politik und Subjekt» zu einer Tagung trafen. Die Psychoanalyse wird an den Universitäten weniger gelehrt als früher, ihre Therapien dauern lange und kosten viel. Als Kulturtheorie wirkt Sigmund Freuds Lehre aber weiter nach. Sie hilft zu verstehen, warum die Menschen so sind, wie sie sind; wie sie sich als Kollektiv verhalten; und weshalb sie einander so Schreckliches antun. Sigmund Freud war ein Skeptiker gewesen, und sein Pessimismus bestimmte auch den Grundton des Zürcher Kongresses.

Eine Sorge, welche die Psychoanalytikerinnen, Soziologen, Politologinnen und andere Experten umtreibt, ist der wachsende Autoritarismus in Ländern wie Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden und den USA. Dieser findet bei Wählerinnen und Wählern immer mehr Zulauf. Fast wehmütig erinnert der deutsche Soziologe Heinz Bude an die Hoffnung nach dem Mauerfall im November 1989, die parlamentarische Demokratie habe sich durchgesetzt und «das Ende der Geschichte» sei erreicht worden, wie der Politikwissenschafter Francis Fukuyama es damals formulierte.

Rückfragen bei den Querdenkern

Statt zu einem Triumph des Rechtsstaates kam es zum Sturm auf das amerikanische Capitol. Ausserdem hat sich die Demokratie seit 1989 nicht stabilisiert, sondern wird durch autokratische Forderungen bedroht. Heinz Bude: «Wir leben vor einer Kulisse der Angst. Und glauben nicht mehr an eine Politik, welche die Welt im Dienste der Mehrheit verändern kann.»

Eine wachsende Zahl von Bürgern, sagt der Zürcher Psychoanalytiker Markus Fäh im Gespräch, verlange nach schnellen Lösungen komplexer Probleme und lehne einen Staat freier, mündiger Menschen ab. «Diese Bürger sehnen sich nach einem autoritären und versorgenden System, das auch ihre eigenen Schwächen ausgleichen soll.» Zugleich habe die Politik immer grössere Mühe, ein mündiges, also vernunftgeleitetes Subjekt zu erreichen.

Die Entwicklung zum 21. Jahrhundert als «einem Jahrhundert des Autoritarismus», wie es der Philosoph Ralf Dahrendorf in seiner berühmten Rückschrittsprognose schon in den neunziger Jahren formulierte, wirft eine entscheidende Frage auf: Worin gründet diese neue Form des Autoritarismus, die mehrheitlich als Rebellion auftritt? Vera King leitet das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt. Sie hat mit Kollegen Personen unter anderem aus dem sogenannten Querdenker-Milieu befragt und ihr wachsendes Misstrauen dem Staat gegenüber untersucht.

Sie sagt: In einer Welt, die auf eine ständige Optimierung im Wettbewerb setze, erlebten diese Bürger jede Abhängigkeit und Verletzbarkeit umso mehr als «katastrophal kränkend und hochgradig bedrohlich». Ebenso projizierten sie ihre eigenen Aggressionen auf andere. Das Volk sehen die Befragten als kollektiv betrogenes Opfer, dem nur noch ein autoritär geführtes politisches System helfen kann. «Es herrscht eine Endzeitstimmung», sagt King; diese blende zugleich die Verantwortung für das Leben der Nachkommen aus.

Zauberer und Hochstapler

Die Gegenwart bietet auch Action genug, wie die Amtsführung von Donald Trump täglich beweist. Der amerikanische Präsident schwebte als ungeliebter, aber aufsässiger Geist über dem Zürcher Kongress. Er wurde von der Anglistin Elisabeth Bronfen als «con man» gedeutet – als Politiker, der seine Wähler als Zauberer verführt, um ihre Erwartungen dann als Hochstapler zu enttäuschen.

Seltsamerweise sind sich die Anhänger von Trump der Täuschungen ihres geliebten Zauberers bewusst. Das hält sie aber nicht davon ab, sich von ihm unterhalten und begeistern zu lassen. Elisabeth Bronfen nimmt bei der Mehrheit der amerikanischen Wählerinnen und Wähler eine «Faszination für das Ungeheuerliche» wahr. Obwohl Trump und seine Leute die Gewaltenteilung missachteten, sich selber bereicherten und der Wirtschaft schadeten, glaubten seine Wähler weiter an das amerikanische System.

Wie sehr Donald Trump die Demokratie zu einem Comic reduziert, zeigt seine Reaktion auf die massiven «No King»-Demonstrationen in mehreren amerikanischen Städten, die sich gegen ihn als autokratischen Regenten richteten. Der US-Präsident liess sich auf seiner Medienplattform Truth Social in einem Kampfflugzeug mit Krone und angedeutetem Heiligenschein inszenieren, der auf seine Untertanen nicht Bomben fallen lässt, sondern Exkremente.

Das erinnert Elisabeth Bronfen an die offen deklarierte Medienstrategie von Trumps früherem Berater Steve Bannon: «Flooding the zone with shit», die ganze Zone mit Scheisse fluten. Donald Trump inszeniere sich als ein amerikanisches Es, das tun und lassen könne, was es wolle; sein Gebaren werde von der Wählerschaft als Ausdruck von Selbstbewusstsein genossen.

Mehr noch, sagt der Psychoanalytiker Markus Fäh: Mit ihrer verächtlichen Politik würden die Republikaner unter Donald Trump «ihren Wählern eine aggressive Befriedigung verschaffen, wirken dabei unterhaltend und faszinieren die Medien». Darauf habe die Linke bisher nur mit moralischen, also freudlosen Forderungen reagiert, was als Haltung ohne Wirkung bleibe.

Die KI lässt sich nicht abschalten

Parallel zur politischen Bedrohung der Demokratie wächst die Bedrohung der intellektuellen Autonomie durch eine Technologie, die der Mensch geschaffen hat und die sich selber immer stärker ausbaut: die künstliche Intelligenz (KI). Sie funktioniert für den Basler Kulturtheoretiker Felix Stalder als Instrument des Kapitals auf Kosten der Arbeit.

Zwar hat es seiner Ansicht nach Rationalisierungen dank der Technik immer schon gegeben. Neu sei aber, dass auch mentale Aspekte der Arbeit automatisiert würden. Diese Entwicklung hat für Stalder erst angefangen. Allein in diesem Jahr werden die amerikanischen Grossfirmen Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon 370 Milliarden Dollar in neue Datenzentren der künstlichen Intelligenz investiert haben.

Dabei dominieren die Korrelationen der KI immer stärker die menschliche Denkweise der Kausalität. Und weil die Menschen die Komplexität der KI und ihrer Algorithmen nicht verstünden, werde das Denken «100 Jahre nach Freud wieder zu einer Black Box» und damit zu einem Ausdruck von Behaviorismus. Diese Entwicklung, sagt Stalder, sei politisch brisant.

Dazu passt, was aufgeschreckte Medien verkünden: dass immer mehr Programme der künstlichen Intelligenz nicht nur unsichtbar und autonom ablaufen. Sondern dass sich einige von ihnen nicht einmal abschalten lassen.

Trotz diesen beunruhigenden Tendenzen beschränkt sich der Referent nicht auf das Beschwören von Angst und Überforderung. Vielmehr rät Felix Stalder dazu, die menschliche Intelligenz als gleichberechtigt neben der künstlichen Intelligenz wahrzunehmen und einzusetzen. Die Präsenz von Maschinen mit kognitiven Fähigkeiten biete die Chance, «menschliche Fähigkeiten nicht in Abgrenzung, sondern in Verbindung zu anderen, nichtmenschlichen Akteuren zu verstehen».

Verstehen statt urteilen: Diese Haltung lässt sich auch auf den Umgang mit den Wählerinnen und Wählern von Donald Trump anwenden. Und formuliert zugleich ein Prinzip der psychoanalytischen Therapie. So kommt am Ende alles zusammen.

Morddrohungen gegen Musikkritiker

Mehrere Musikjournalisten berichten, sie würden wegen ihrer Kritik an Taylor Swifts neuem Album persönlich bedroht. Darin zeigen sich Auswüchse der heutigen Online-Fan-Kulte.


Mehrere Journalisten sagen gemäss der Agentur Reuters, sie seien von Taylor-Swift-Fans, sogenannten Swifties, auf das Übelste beschimpft und bedroht worden, weil sie es gewagt hätten, stilistische Einwände gegen das neue, zwölfte Album von Taylor Swift vorzubringen. Manche fanden «The Life of a Showgirl» sogar richtig schlecht. Deswegen soll es auf Social Media nun zu Morddrohungen gekommen sein.

Die Reuters-Journalistin Gretel Kahn sprach darauf mit mehreren Musikkritikern und erfuhr von ihnen, wie massiv sie von Fans attackiert werden. Manche getrauten sich gar nicht erst, ihre Kritik namentlich zu kennzeichnen. Das Phänomen hysterischer Überidentifikation hat sich in den letzten Jahren verschärft, es geht von Fans mehrerer Musikerinnen und Musiker aus und ist eine direkte Folge ihres ungefilterten Online-Zugangs zur Öffentlichkeit.

«Fan» sei die Kurzform für «Fanatiker», schrieb einst der deutsche Soziologe Theodor Adorno boshaft, der die populäre Kultur seitenlang verachtete. Etymologisch hatte er freilich recht. Wie sehr selbst junge Frauen wegen ihrer Idole ausser sich geraten können, hat bereits die sogenannte Beatlemania in den sechziger Jahren deutlich gemacht. Und als Abba im März 1977 für ihre Australien-Tournee in Perth landete, säumten Tausende von Fans die Strassen vom Flughafen zur Stadt. Die Abba-Sängerin Agnetha Fältskog bekannte später, sie habe vor diesen Fans Angst bekommen und habe die Bühne nur widerwillig betreten.

In solcher Intensität manifestiert sich der Fan-Kult kaum mehr. Denn längst hat sich die kollektive Verehrung im Internet virtualisiert; in den Social Media explodiert sie immer stärker. Besonders heftig wirkt die Begeisterung der Swifties. Dabei muss man den Kritikern des neuen Albums recht geben. «The Life of a Showgirl», vom schwedischen Produzenten Max Martin auf Massentauglichkeit ausgerichtet, klingt künstlich und seelenlos.

Auch wird einmal mehr hörbar, was keine technische Korrektur zum Verschwinden bringen kann: dass Taylor Swift eine bloss mediokre, ausdrucksarme Stimme hat – kein Vergleich zu ihren Vorbildern wie Dolly Parton. Und obwohl sie noch reicher und erfolgreicher ist als Madonna, hat sie nicht annähernd so viel für das weibliche Selbstbewusstsein getan wie diese.

So plätschert das neue Album der Taylor Swift vor sich hin, verbreitet Wohlklang und Langeweile. Auch die Texte der neuen Lieder irritieren, weil sie die Ansichten der Sängerin noch schriller öffentlich machen als auf früheren Alben. Zudem missbraucht Taylor Swift manche Songs dafür, andere anzugreifen oder zu kritisieren, nur weil diese ihr zu wenig hold waren. Wir haben es hier also mit den narzisstischen Äusserungen eines Superstars zu tun, dem nicht nur der neue Mann, sondern auch der Erfolg den Kopf verdrehte.

An ihrem anhaltenden Erfolg ändert das nichts. Sowohl das Album «The Life of a Showgirl» wie auch mehrere ihrer neuen Songs führen die internationalen Charts an. Taylor Swift konnte innert drei Tagen über drei Millionen Exemplare ihrer neuen Platte absetzen, ein Rekord; und der Dokumentarfilm über das Entstehen des letzten Albums hat weltweit bereits 46 Millionen Dollar eingespielt und führt die amerikanischen Kino-Charts an. Das ist eine bemerkenswerte Leistung für einen anderthalbstündigen Werbefilm.

So gesehen kann der Musikerin egal sein, was die Kritiker finden: Das Showgirl aus Pennsylvania ist die bekannteste und von ihren Fans am meisten verehrte Frau der Welt. Wer nichts sagt, wird überall verstanden.

nzz.ch
15.10.2025 16:00